Das Auf und Ab der Stauseen

Im Sommer ist er ein Freizeitparadies für Wassersportler, Badende und Ausflügler. Im Winter und Frühling dagegen gleicht er oft einer Mondlandschaft. Der Greyerzersee spielt eine wesentliche Rolle in der Energieversorgung der Region. Im Herbst 2022 erfolgt eine aussergewöhnliche Absenkung des Sees, um Wartungsarbeiten zu ermöglichen.

Wer regelmässig aus dem Land des Doppelrahms in den Kantonshauptort fährt, kann gut beobachten, wie der Wasserspiegel des Greyerzersees saisonal schwankt. Zu gewissen Zeiten kann man die Ile d’Ogoz sogar zu Fuss erreichen. Wie aber kommt es zu diesen Schwankungen?

Ein Energiespeicher
Der Greyerzersee ist ein Stausee. Seine Betreiberin Groupe E nutzt ihn zur Stromproduktion: Von der Staumauer von Rossens aus wird Wasser über einen unterirdischen Stollen ins Wasserkraftwerk von Hauterive geleitet. Der Vorteil von Stauseen ist, dass die Energie in Form von Wasser gespeichert und genau dann genutzt werden kann, wenn die Bevölkerung Strom benötigt. Dies kann zu Wasserstandsschwankungen führen.

Stromerzeugung zum richtigen Zeitpunkt
Groupe E betreibt fünf Stauseen entlang des Flusslaufs der Saane. Es muss also genau darauf geachtet werden, wie viel Wasser zu welchem Zeitpunkt in die Seen kommt oder sie verlässt. So überwachen die Mitarbeitenden von Groupe E das Gleichgewicht der Seestände. Das Ziel? Bei hoher Nachfrage genügend Strom erzeugen zu können. Doch damit nicht genug: Als grösster Wasserspeicher in diesem Verlauf ist der Greyerzersee hervorragend dafür geeignet, starke Zuflüsse abzufangen, damit die unten liegenden Seen nicht zu schnell volllaufen. Damit er diese Pufferfunktion ausüben kann, muss Groupe E Platz darin schaffen, wenn grössere natürliche Wasserzufuhren (Niederschläge und insbesondere Schneeschmelze) anstehen.

Platz für Schmelzwasser
Im Frühling senkt Groupe E die Wasserstände aller Seen ab, damit genügend Platz vorhanden ist, um die Schneeschmelze aufzufangen. Das ist der Grund, warum der Wasserspiegel zu dieser Jahreszeit oft besonders tief ist. Im Sommer dagegen sorgt Groupe E bei guten Bedingungen dafür, dass der See ausreichend gefüllt ist, damit er seine Funktion als Energiespeicher ausüben kann, gleichzeitig aber noch Kapazität hat, um plötzlich auftretende starke Niederschläge aufzufangen. Dann eignet sich der Wasserstand des Sees für Freizeitaktivitäten.

Wenn Sie das nächste Mal über den Greyerzer Viadukt fahren, achten Sie also auf den Wasserstand. Ist er besonders niedrig, ist es die letzte Gelegenheit, in dieser Saison die Ski anzuschnallen!

Ausserordentliche Absenkungen im Herbst 2022
Es kann vorkommen, dass Groupe E den Wasserstand eines Sees abweichend vom üblichen Zeitplan absenken muss. Dies wird diesen Herbst der Fall sein, wenn Groupe E Wartungs- und Unterhaltsarbeiten am Stollen und an den Druckleitungen durchführt, die das Wasser von der Staumauer von Rossens zum Wasserkraftwerk von Hauterive transportieren. Die Arbeiten erfordern die Absenkung des Greyerzersees auf 666,50 m ü. M., d.h. um 7,5 Meter gegenüber dem saisonalen Normalstand, zwischen dem 13. September und 15. November. Mitte November 2022 wird der See, abhängig von der natürlichen Wasserzufuhr, wieder seinen normalen Wasserstand erreicht haben.

Im gleichen Zeitraum wird Groupe E auch Arbeiten am linken Ufer des Schiffenensees durchführen, der ab dem 13. Oktober für eine Dauer von fünf Wochen auf 528 m ü. M., d.h. um 4 Meter gegenüber dem Höchststand, gesenkt wird.

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Groupe E Rédaction

Text: Yves-Laurent Blanc
Mediensprecher